Eduard Melkus erzaehlt:

In meiner Tätigkeit als Leiter der Beethoven Tage in Baden bin ich auf der Suche nach selten gespielten oder ganz unbekannten Beethovenwerken in die Bibliotheken gegangen, und habe dort einen außerordentlichen Schatz gefunden: eine Reihe von unbekannten, italienischen Gesangswerke Arietten, Arien Duette und Terzette zugleich mit deutschen Singspielarien die er für verschiedene Freunde geschrieben hat, patriotische Chöre aus der Napoleon Zeit und zahlreiche Tänze.

 

Besonders der Fund der italienischen Arien die ich mir allmählich zusammengesucht habe war wie eine Schatzkammer, und haben mir ein völlig neues Beethovenbild veroffenbart. Alle vor 1800 geschrieben zeigen ein Bild des fröhlichen und positiven 25 – 30 jährigen. Sie zeigen ein Beethovenbild alla „Italiana“. Erstaunlich wie er sich dem italienischen Stil völlig anpassen kann, ohne sich zu verläugnen. Ebenso die vier deutschen Singspielarien die einfühlsam im Wiener Komödienstil des Biedermeier geschrieben sind. Die patriotischen Gesänge wiederspiegeln seine echt vaterländische Begeisterung und Liebe; und die Tänze nehmen zum Teil in ihrer Folklore und mit ihrem Schwung Johann Strauss Vater voraus.

 

Um diesen ganzen Schatz an die Öffentlichkeit zu bringen und einem interessiertem Publikum nahezubringen, ist mir die Idee gekommen, sie in einer Oper zusammenzufassen, und dieser mit einer Handlung und einem Libretto einen Sinn zu geben. Die Gestalt der Oper erlaubt es die Gegensätzlichkeit von Erhabenen und Volkstümlichkeit in den einzelnen Szenen genügend voneinander zu trennen damit sie sich nicht gegenseitig im Wege stehen. 

Zur Wahl der Handlung: Ich habe lange darüber nachgedacht, und an Hand der einzigen bekannten großen italienischen Arie „Ah, Perfido!“ (Op. 65) war mir nur ein tragisches Ende gestattet, das heißt Ariadne oder Dido, indem der Geliebte seine Frau verlässt. Die Wahl fiel auf Dido um nicht in Konkurrenz von Ariadne auf Naxos von Richard Strauss und Hugo v. Hoffmansthal zu treffen. 

Die einzige heute noch populäre Oper über Dido ist „Dido und Aeneas von Purcell“ – somit ein ganzer anderer Stilbereich. Ich wählte als Thema den Hochzeitstag Dido und Aeneas der allerdings überschattet ist von einem Eid, dem Aeneas dem Kriegsgott Ares gegeben hat. 

 

Die Musik schien mir so freudig und jugendlich positiv, dass mir ein so tragisches Ende nicht dazu passen wollte, somit bin ich dem Beispiel von Gluck – Calzabigi in ihrem Orpheo gefolgt und lasse die Oper im Gegensatz zum Original von Vergil versöhnlich enden.

DIDO

Der Sieg der Liebe

 

Originalmusik von Beethoven

Fast unbekannte Arien, Lieder, Chöre und Tänze zusammengefasst  zu einer lyrischen Oper in 2 Akten, Einrichtung und Textbuch von Eduard Melkus

Die Handlung

 

Die Personen:

Dido, Königin von Karthago - Sopran

Äneas, Held von Troja - Tenor

Ares, Kriegsgott/Hermes Götterbote - Bass

Glaukos, ein Luftikus - Bariton

Cloris, junge Schuhmacherin - Sopran

 

Chor (mit Soli)

Tanzgruppe

Bühnenmusik (2Viol. und Bass, 2 Signalhörner)

3 ital. Sänger (Sopran, Alt, Tenor)

Die Handlung

Bild: William Turner - Dido Building Carthage [1815] - National Gallery London

Die Entstehungsgeschichte

Bild: William Turner, Dido and Aeneas (1814) - (THE TATE GALLERY, LONDON)

Für ein dazu passende Szenenbild fand sich, dass gerade zu Beethovens Zeit eine neue Auseinandersetzung mit dem Thema der Dido erfolgte. Ich erinnerte ich mich an die großartigen Werke von William Turner wie zum Beispiel „Der Untergang von Karthago“ von 1817 (seine Version des bedeutenden Gemäldes von Claude Lorrain aus dem 17.Jh), oder das Gemälde „Das Gebäude der Dido in Karthago“ von 1815.

 

Die Hafenlandschaft mit dem antiken Palast bilden eine schöne Ergänzung und ein ideales Bühnenbild.

Bild: William Turner - Der Untergang von Karthago (1817)

Äneas, Sohn der Venus und des Anchises, eines trojanischen Helden, ist auf dem Weg nach Sizilien in Karthago gestrandet. Dort verliebt er sich in die junge Königin Dido, die seine Liebe erwiedert. Er vergisst seine Bestimmung den Italikern beizustehen, wie er dem Kriegsgott Ares versprochen hat, als in dieser aus Troja rettete: Er soll den Italikern gegen die vordringenden Kreter beistehen.

Ihre gegenseitige Liebe wir überschattet von der Ahnung, dass Äneas eines Tages doch seiner Bestimmung folgen muss. 

Die Beiden werden vom Volk gefeiert und zu ihrer Vermählung beglückwünscht. Daraus entwickelt sich ein fröhliches Treiben mit verschiedenen Tänzen, das durch das Auftreten des Glaukos, eines herumziehenden Musikus und großen Luftikus, unterbrochen wird. Er trifft unter den Anwesenden Mädchen auf die junge, schöne Schuhmacherin Cloris und versucht mit ihr anzubändeln. Eine große Arie der Dido, die über ihre erste Liebe reflektiert, schließt den ersten Akt.

Der zweite Akt beginnt mit einer froehlichen Volksszene und einer lustigen Kussszene zwischen Chloris und Glaukos und feiernden Gaesten. Der Auftritt von Äneas unterbricht das fröhliche Treiben, der seine Leute wegen der Gefahr eines Sturmes zum Schiff schickt. Dido warnt Äneas vor dem Sturm, und fuerchtet dass der  Kriegsgott Ares dahinter steckt. Äneas versucht mit drei Canzonensängern Dido aufzuheitern. 

Endlich tritt der Kriegsgott Ares tatsächlich auf, und fordert von Äneas den sofortigen Aufbruch. Die verlassene Dido sinkt schmerzerfüllt leblos zu Boden. Das Volk kommt zögernd und trauert um sie. Da tritt Ares gemeinsam mit Äneas auf,  erweckt Dido wieder zum Leben und vereint das Paar. Ihre Liebe hat die Götter besänftigt.  Die Liebe der Beiden hat gesiegt.

Die Musik:

Alle aufgeführten Werke sind in Originaltonart und Originalfassung. Ausnahmen sind die Arietten und die Chöre die nur mit Klavierbegleitung überliefert sind und die nachinstrumentiert wurden.

 

Mit ganz wenigen Ausnahmen sind die einzelnen Nummern zwischen 1795 und 1800 entstanden. Beethoven zeigt sich in diesem Werk daher als jugendlicher Komponist noch vor dem Anfall seiner Schwerhörigkeit. Die Chöre um 1814 tragen einen männlichen Chor-Charakter. Die ausgewählten Werke sind ausschliesslich Einzelkompositionen aus der WoO-Reihe (Werke ohne Opuszahl). Die italienischen und franzoesischen Texte wurden ins deutsche übersetzt und geringfügig dem Charakter entsprechend der Handlung angepasst.

Die Vorarbeiten und Einstudierung der Oper erfolgten trotz erschwerender Umstände in der Zeit des Lockdowns und kurz danach, sodass dank des Einsatzes eines sehr engagierten Teams eine Generalprobe im Juli in der Krypta der Peterskirche und die Uraufführung am 1. September 2020 in der Frauenkirche in Baden bei Wien möglich waren.

DIE URAUFFUEHRUNG im Jahr 2020 

im Rahmen der Beethoven Tage in Baden bei Wien

Die Mitwirkenden dieser Uraufführung:

 

Maria-Magdalena CHRISTOVA (Dido) Marco ASCANI (Äneas

Mirella ALEKSANDROVA (Ana) Hristina LAZAROVA (Cloris)

Florian M. WOLF (Palinurus-Glaukos/Ares)

 

Anton GANSBERGER (Klavier), Eri OTA-MELKUS (1. Violine),
Heidemarie HALBRITTER (2. Violine), Milkana SCHLOSSER (Viola),
Maria SALLAI (Violoncello), Walter BACHKÖNIG (Kontrabass)

 

Leitung: Prof. Eduard MELKUS

Besetzung:

 

Mirella ALEKSANDROVA (Dido

Marco ASCANI (Äneas

 Hristina LAZAROVA (Cloris)

Florian M. WOLF (Palinurus-Glaukos/Ares)

Mitgliedern des Schönberg Chors

 

Leitung Alexander Krins mit seinem Orchester Cappella Cantabile

unter der Mitwirkung von Mitgliedern der Capella Academica Wien
Korrepetition: Anton Gansberger und Andreas Brüger

Im Juli 2021 erfolgte die erste deutsche Aufführung in erweiterter Form mit einem Kammerorchester unter der Leitung von Alexander Krins, Freund und Schüler von Eduard Melkus, mit großem Erfolg.

Die Badener Aufführung im Rahmen der Beethoventage 2021

folgt im Wesentlichen dieser neuen Version, erweitert durch ein Sängerensemble, Mitgliedern des Schönberg Chors.

Casino Baden, 

Kaiser Franz Ring 1, 2500 Baden

Die Auffuehrung fand im festlichen Rahmen des Grossen Saals des Badener Kasino statt: